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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : sa. 1.10. T-berg...



mad max
30.09.2005, 13:16
...so am samstag soll gutes(trockenes) wetter werden....
und wir dachten uns das müssen wir ausnutzen...
wir werden so ab 12.00 uhr da sein...
wär cool wenn noch andere kommen würden...
bis denne max 8)

chris.da.roca
30.09.2005, 14:24
und was is mit freitag :wink:

fränky
30.09.2005, 18:17
da ziehst du um chris...

ich hoffe ihr kommt alle am samstag um 12:00 zum slide 'n downhill day...


fränky 8)

chris.da.roca
30.09.2005, 20:16
aber nich am vormittag. glaub nich, ob ich mórgen zeit hab.
mal schaun. chris

sur-finn
01.10.2005, 17:57
jaja, bindets mir auf die nase!

geheult habich zwar nich als ich die sms von Fränky bekommen hab, aber be... isses schon wenn man nie dabei sein kann (kotzsmiley)

hat jemand von euch ne ahnung vom generieren soziologischer fragestellungen :?: :?: :?: :?: :?: :?: :mrgreen:

Finn

fränky
01.10.2005, 18:19
Untersuchungen zur Dynamik sozialer Systeme
anhand der Simulation komplexer, adaptiver Agenten


Die interdisziplinär angelegte Untersuchung der Dynamik sozialer Systeme soll dazu beitragen, das Wissen über die Evolution und Selbstorganisation dynamischer Systeme wie auch über die Prozesse der Entstehung gesellschaftlicher Ordnung (Mikro-Makro-Problematik) zu vertiefen. Dem Projekt liegt die Annahme zu Grunde, dass sich soziale Prozesse im Computer künstlich modellieren lassen. Es soll daher ein Simulationssystem entwickelt werden, das zur Untersuchung soziologischer Fragestellungen verwendet werden kann. Die Grundidee dieses Systems besteht darin, das Wissen über elementare Wechselwirkungen zwischen Objekten, wie sie am Beispiel der molekularen Wechselwirkungen in einer künstlichen Chemie untersucht wurden, auf komplexe Objekte und deren Verhalten zu übertragen. Auch im Falle sozialer Systeme sollen Regeln für Objekte auf der mikroskopischen Ebene aufgestellt werden und deren Auswirkungen anhand mesoskopischer oder makroskopischer Selbstorganisations-Phänomene studiert werden, wobei eine größere Vielfalt der Prozesse zu erwarten ist.

Die Objekte in sozialen Systemen sind Akteure, die technisch als komplexe Agenten mit variablen Eigenschaften modelliert werden, so dass sie den Anforderungen eines gehaltvollen soziologischen Akteurkonzepts genügen. Durch den Einsatz von Techniken aus dem Bereich der komplexen adaptiven Systeme (Artifical Life, Genetische Programmierung, Evolutionäre Algorithmen, Neuronale Netze) sollen strategiefähige, adaptive Agenten konstruiert werden, um Prozesse der sozialen Interaktion in unterschiedlichen Agentenpopulationen zu simulieren und damit Aussagen über die Emergenz und Dynamik sozialer Systeme zu generieren, die anschlussfähig für aktuelle soziologische Fragestellungen sind. Untersuchungsgegenstand wird auch sein, inwieweit man Agenten mit verschiedenen Fähigkeiten zur Kommunikation und Kognition ausstatten muss, damit die Komplexität der resultierenden Phänomene denen in sozialen Systemen nahe kommt. Fragestellungen, die die soziologische Theoriediskussion bislang vorrangig mit qualitativen Ansätzen und Methoden behandelt hat, sollen so in eine experimentelle Anordnung überführt werden, die ein Durchspielen verschiedenartiger Agenten-Konstellationen und ein Austesten unterschiedlicher Hypothesen erlaubt.

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Versuch einer Zusammenfassung der sechs ersten Sitzungen


Die nachfolgenden Texte beruhen auf der im Seminar erarbeiteten Gliederung und der Textgrundlage des Seminars (vgl. Reader zum Seminar)



„Individuum“ versus „Gesellschaft“


Norbert Elias beschäftigt sich in einem Aufsatz aus den 40er und 50er Jahren des 20. Jahrhunderts „Probleme des Selbstbewusstseins und des Menschenbildes“ mit einer Grundproblematik soziologischer Fragestellungen: Wie ist das Verhältnis von Individuum und Gesellschaft zu sehen?

In Abgrenzung zu traditionellen soziologischen Theorien wie beispielsweise dem strukturellen Funktionalismus (Parsons), der Systemtheorie (Luhmann) oder interaktionistischen Theorieansätzen (G.H. Mead) geht Elias nicht von einer Trennung der soziologischen Phänomene „Individuum“ und “Gesellschaft aus, sondern versucht eine Synthese der traditionell radikal gegenübergestellten Begriffe von „Individuum“ und „Gesellschaft“. Seiner Meinung nach verdeckt eine implizit vollzogene Trennung von Individuum und Gesellschaft dem soziologischen Betrachter die gesellschaftlichen Tatsachen. Eine Theorie, die es vermag „Individuum“ und „Gesellschaft“ nicht als zwei voneinander getrennte Objekte zu begreifen, sondern die Begriffe als zwei verschiedene Perspektiven auf ein und den selben Geschehenszusammenhang aufzufassen, ist der Realität angemessener, als die vorherrschenden, auf dem philosophischen Dualismus basierenden traditionellen soziologischen Theorien.



Zum Begriff der „Interdependenz“


Elias sieht Menschen auf Grund ihrer biologischen Konstitution emotional aufeinander ausgerichtet; Menschen besitzen ein in ihrer „Natur“ verankertes Bedürfnis nach anderen Vertretern ihrer Spezies. Sexuelle Bedürfnisse der Menschen sind sicherlich der offensichtlichste Ausdruck dieser biologisch verankerten Ausrichtung, aber Menschen sind noch in vielfältiger anderer Weise emotional aneinander gebunden. Die spezifische Ausprägung der Bedürfnisse von Menschen nach anderen Menschen mag sich im Zuge gesellschaftlicher Entwicklung wandeln, was sich jedoch nicht wandelt ist dieses Bedürfnis selbst; es ist ein unabänderliches Charakteristikum der conditio humana – ein Charakteristikum jedoch, das in den meisten sozialwissenschaftlichen Theorien bisher nur wenig oder keine Beachtung fand.

Mit der biologisch fundierten Notwendigkeit des Erlernens von Mustern der Verhaltenssteuerung ist schon eine universelle Angewiesenheit von Menschen auf andere Vertreter ihrer Art thematisiert worden, mit der fundamentalen emotionalen Ausgerichtetheit steht eine weitere universelle Angewiesenheit und Abhängigkeit von Menschen auf andere Menschen im Fokus. Und in der Tat sind diese biologisch verankerten und damit universellen Typen der Angewiesenheit von Menschen auf andere Vertreter ihrer Art eng miteinander verwoben.

Die Idee eines Triebes, der, selbst eine anthropologische Konstante, jedoch nicht genetisch fixiert ist, sondern einer (soziogenen) Ausrichtung bedarf, lässt sich schon in der klassischen psychoanalytischen Theorie finden.

Begrifflich erfasst Elias die soziogen ausprägbare Struktur emotionaler Bindungen unter dem Konzept der (Valenz-)Figuration[1].

Menschen sind nur im Plural, nur als fundamental soziale Wesen denkbar: Schon der Anfang eines jeden Menschenlebens – Zeugung, Geburt und das Erlernen von Verhaltens- und Empfindensmustern – ist durch und durch gesellschaftlich. Kurz, der Prozess der »Menschwerdung« vollzieht sich nur in und durch Beziehungen zu anderen Menschen. Und Menschen hören auch im weiteren Verlauf ihres Lebens nicht auf, fundamental gesellschaftliche Wesen zu sein. Neben der schon angesprochenen biologisch verankerten emotionalen Ausgerichtetheit, sind Menschen ihr ganzes Leben hindurch, noch in vielfacher anderer Weise aneinander gebunden. Es seien nur wirtschaftliche und staatliche Bindungen als weitere, sehr offensichtliche Typen der Abhängigkeiten zwischen Menschen genannt.

Mit anderen Worten, Menschen sind grundsätzlich – um sich verhalten, um empfinden und wahrnehmen zu können, sowie zur Befriedigung ihrer Bedürfnisse – in verschiedenster Art und Weise auf einander angewiesen und voneinander abhängig. Menschen erfüllen und haben damit in Beziehungen gegenseitig füreinander Funktionen, sie sind immer gegenseitig voneinander abhängig, mit anderen Worten, Menschen sind interdependent.



Zum Begriff des „Doppelbinders“


Beim Nachdenken über gesellschaftliche Verflechtungserscheinungen scheinen Menschen jedoch bestimmte Erfahrungen ihrer selbst und ihrer Gesellschaft im Wege zu stehen. Elias beschreibt in dem grundlegenden Essay dabei ein besonderes Phänomen. Er erkennt in auf kritische Prozesse bezogenen menschlichen Verhaltensweisen eine immer wiederkehrende Besonderheit, eine Art Teufelskreis, der eben gerade nicht zur Abwendung der kritischen Situation beiträgt, sondern diese aufrechterhält oder gar verstärkt.

Elias behauptet einen Zusammenhang zwischen dem Grad des emotionalen Engagements zu einem kritischen Prozess mit dem Grad der Kontrollierbarkeit des selbigen. Mit zunehmendem emotionalen Engagement verringert sich die Kontrollchance über den kritischen Prozess, was wiederum zu mehr Angst, das heißt erhöhtem emotionalen Engagement im Prozess führt. Der Grad der Kontrollierbarkeit und des Engagement sind gegenseitig aneinander gebunden. Elias spricht daher in Anlehnung an den von Gregory Batesons für sozial-psychiatrische Belange entwickelten Begriff „double-bind“ von Doppelbinderprozessen. Man erkennt unschwer, wie leicht sich Doppelbinderprozesse aufschaukeln und eskalieren können, und wie schwer eine Überwindung dieses Teufelskreises sein kann.

Als eine elementare Voraussetzung für die Überwindung eines solchen Doppelbinders, das heißt die Erhöhung der Kontrollchancen in einem kritischen Prozess, nennt Elias die Reduzierung des emotionalen Engagements. Wenn man in der Lage ist, seine auf den Prozess bezogenen Ängste und Phantasien zu reduzieren und damit zu einer realitätsangemesseneren Betrachtungsebene kommt, kann es sein, dass sich die Kontrollchancen bis zur Möglichkeit des Ausbruches aus dem Teufelskreis erhöhen. Dieser Akt der Selbstdistanzierung ist damit notwendig zur Überwindung eines Doppelbinders, jedoch nicht hinreichend. Ein kritischer Prozess kann bereits soweit fortgeschritten sein, dass ein Ausbruch nicht mehr möglich ist (vgl. Readertext 5, Seite 35, drei Phasen des Doppelbinders).

Zum Begriff der „Zwänge“



Versucht man, wie Norbert Elias es tut, die Chance der Kontrolle sozialer Prozesse zu erhöhen, spielen neben dem Verständnis von Doppelbinderprozesses auch die Struktureigentümlichkeiten menschlicher Beziehungen eine wichtige Rolle.

Elias beschreibt die elementaren Abhängigkeiten von Menschen von anderen Menschen und von Naturzusammenhängen in den „Studien über die Deutschen“ auch als verschiedene Arten von Zwängen.



Elias unterscheidet dabei grob vier Arten von Zwängen. Diese Unterscheidung ist explizit keine Trennung, da Elias auch hier von Balancen und ineinander übergehenden Bereichen ausgeht, da die Theorieansätze lediglich der Beschreibung weit komplexerer tatsächlicher Zusammenhänge dienen.



1. Die Zwänge, denen Menschen aufgrund der Eigenart ihrer animalischen Natur ausgesetzt sind. [z.B. Zwang des Hungers, oder des Sexualtriebes; aber genauso der Zwang des Älterwerdens und Sterbens, der Zwang des Verlangens nach Zuneigung und Liebe oder auch des Hasses uns der Feindseligkeit, die in Menschen spontan aufwallen ...]



2. Zwänge, die aus der Abhängigkeit von nicht-menschlichen Naturgeschehnissen stammen. [also vor allem der Zwang der Nahrungssuche oder der Zwang zum Schutz vor den Unbilden der Witterung ...]



3. Die Zwänge, die Menschen beim Zusammenleben aufeinander ausüben. [ Diese Zwänge werden oft auch als »gesellschaftliche Zwänge« erfasst. Figurationssoziologisch ist es allerdings wichtig, sich klarzumachen, dass alles, was wir als gesellschaftliche oder gegebenenfalls auch als wirtschaftliche Zwänge bezeichnen, Zwänge sind, die Menschen auf Menschen aufgrund ihrer Interdependenz ausüben. Diese Zwänge lassen sich als Fremdzwänge bezeichnen.]



4. Von den Zwängen aufgrund der animalischen und besonders der Triebnatur des Menschen ist ein zweiter Typ von individuellen Zwängen zu unterscheiden, auf dem man oft etwa mit einem Begriff wie »Selbstkontrolle« hinweist. [Elias bezeichnet diese Art von Zwängen als Selbstzwänge. Sie unterscheiden sich von den naturalen Triebzwängen, da dem Menschen biologisch nur ein Potential zum Selbstzwang mit auf den Weg gegeben ist. Wenn dieses Potential nicht durch Lernen, als durch Erfahrung, aktualisiert wird, bleibt es latent. Grad und Gestallt seiner Aktivierung hängen von der Gesellschaft ab, in der ein Mensch aufwächst, und wandeln sich in spezifischer Weise im Fortgang der Menschheitsentwicklung (vgl. z.B. Elias, Über den Prozeß der Zivilisation, ...). Im Zuge von Zivilisations- und Sozialisationsprozessen gehen Fremdzwänge in das Repertoire der Selbstzwangapparatur ein. Elias spricht von einer Verinnerlichung von Fremdzwängen.]



Zum Begriff der „Macht“



Elias geht davon aus, dass unkontrollierbare und nicht kontrollierte Zwänge und Abhängigkeiten in hohem Masse handlungssteuernd sind. Gesellschaftliche Prozesse besitzen aus diesem Grunde und auf Grund ihrer hohen Komplexität, die sich unter anderem aus der Verflechtung der individuell-zielgerichteten Handlungen der Menschen einer Figuration ergibt, eine ungeplante Dynamik. Will man die Kontrollchancen über soziale Prozesse erhöhen, muss man der Genese dieser Dynamik, und wie diese durch die beteiligten Menschen wahrgenommen wird, Rechnung tragen.

Die Erfahrung einer eigenständigen Dynamik gesellschaftlicher Prozesse von Menschen unserer Zivilisationsstufe, das heißt einer Verdinglichung dieser Prozesse etwa zu Begriffen wie „Individuum“ und „Gesellschaft“, liegt auch in einer weiteren elementaren Struktureigentümlichkeit menschlicher Beziehungen begründet.



Solange Menschen für andere Menschen eine Funktion besitzen, also einen Wert für sie haben, sind diese in der Lage den Handlungskurs der betreffenden Bezugsperson zu steuern (Machtchancen). Dieses Vermögen wird auf Max Weber zurück reichend als Macht definiert.

Macht ist in Elias Sicht keineswegs ein Objekt, wie es der substantivische Gebrauch des Wortes nahe legen mag. Macht wird als Strukturmerkmal einer Beziehung aufgefasst und ist somit als Beziehungsbegriff zu verstehen. Die Vorstellung, nach der Macht eine Art persönliche Eigenschaft sei, welche man erwerben und auch verlieren könne, verdeckt leicht den Tatbestand, dass ein jeder Part einer Beziehung über Macht verfügt und lediglich die Machtchancen höher oder geringer sind.



Demnach wird beispielsweise die klassische Vorstellung, dass der Herr eines Sklaven über Macht verfügt und der Sklave machtlos ist, durch das Bild einer Machtbalance zwischen Herren und Sklaven ersetzt, in welchem zwar die Machtbalance sehr entschieden zugunsten des Herren geneigt sein kann, dieser aber, solange der Sklave irgendeine Funktion für ihn besitzt, niemals die absolute Macht besitzt. So muss der Herr sein Handeln auch immer nach dem Sklaven mit dem weitaus geringeren Machtpotential richten.

Obwohl es in vielen soziologischen Abhandlungen oft geschieht, darf der Versuch menschliches Zusammenleben zu untersuchen, nicht an dem für jede menschliche Beziehung zentralen Problem der Macht vorbeigehen.



Selbst in Arbeiten, die auf den Aspekt der Macht eingehen, wird dessen Komplexität zumeist trivialisiert. Wird dort von Macht gesprochen, so wird sich zumeist lediglich auf zwe Machtquellen (wirtschaftliche und militärische Macht) bezogen, auf die angeblich jede andere Machquelle zurückgeführt werden kann. Diese Sichtweise verdeckt den tatsächlichen, polymorphen Charakter von Machtquellen/-mittel [Machtmittel haben eine viel größere Reichweite: Konsumtionsmittel, Produktionsmittel, Mittel zur Befriedigung emotionaler Bedürfnisse, Mittel der physischen Gewalt, Orientierungsmittel (mit der Möglichkeit, diese zu verbreiten und/oder zu bilden), „Organisationsmittel, ...].



Der Mangel vieler soziologischer Theorien liegt aber nicht allein in der Beschränkung auf (zu) wenige Machtquellen, sondern ebenfalls in einer gewissen Blindheit dafür, dass eine jede menschliche Beziehung auch immer eine Machtbeziehung ist. Um das zuletzt gesagte ganz zu erfassen, ist es notwendig einen angemessenen Begriff von Macht zu besitzen.

Wie bereits beschrieben, bezieht sich der Elias’sche Begriff von „Macht“ nicht auf ein Objekt, über das eine Personen verfügen, bzw. nicht verfügen kann, sondern auf eine Chance das Verhalten anderer Menschen gemäß seinen Wünschen und Plänen zu beeinflussen oder zu kontrollieren. Das Macht häufig negativ empfunden wird, hängt damit zusammen, dass im Laufe der Gesellschaftsentwicklung, Gruppen mit hohen Machtchancen, diese oft skrupellos ausgespielt haben.



Um einen wissenschaftlichen Begriff von Macht zu entwickeln, ist es allerdings notwendig sich von diesen negativen Wertungen zu distanzieren und Macht zu einen relativ wertfreien Beziehungsbegriff weiterzuentwickeln.

Insbesondere der Prozesscharakter menschlicher Beziehungen sollte hier verdeutlicht werden.



Indem man Macht als Struktureigentümlichkeit jeder menschlichen Beziehung erkennt, erhält man nun Zugang zu einem weiteren Problem, welches im Zusammenhang mit dem „Macht“-Begriff häufig zu ungenau betrachtet wird.



Wenn man von Macht spricht, so gilt es zwischen den Abhängigkeitsverhältnissen, die jedes menschliche Zusammenleben zwangsläufig mit sich bringt und den Abhängigkeiten, die allein aus einem bestimmten Aufbau des Beziehungsgeflechts resultieren, zu unterscheiden. Von besonderem Erkenntniswert ist die Tatsache, dass Menschen fundamental voneinander abhängig sind, dass Menschen in Abhängigkeit von anderen Menschen leben müssen, damit sie sich aus den »potentiellen Menschen«, als die sie geboren werden zu „aktuellen“ Menschen entwickeln.



Zum Begriff der „funktionalen Demokratisierung“



In der historisch belegten Geschichte der Menschheitsentwicklung ist, nach Elias, trotz immer wiederkehrender „Auf“- und „Abbewegungen“, ein Trend der Angleichung ehemals weit auseinanderklaffender Machtdifferenzen zu beobachten. Diese funktionale Demokratisierung geht unter anderem auf damit einhergehende Integrationstendenzen zu immer größeren Überlebenseinheiten und einer wachsenden Differenzierung gesellschaftlicher Funktionen zurück.



Die Angleichung der Machtdifferentiale im Prozess der funktionalen Demokratisierung begünstigt die Erfahrung von gesellschaftlichen Prozessen als eine außerhalb des eigenen Einflussbereiches und damit außerhalb des Individuums liegenden Objektes mit einer eigenständigen Dynamik. Menschen in hoch komplexen und stark differenzierten Gesellschaften generieren unter anderem deshalb eine Selbsterfahrung als „abgeschlossenes“, von der „Gesellschaft“ und anderen Menschen durch eine unüberbrückbare Kluft getrenntes „System“. Diese Selbsterfahrung, die Elias mit dem Begriff des „homo clausus“ beschreibt, ist nach seiner Auffassung der Realität wenig angemessen und behindert damit das effektive Nachdenken über gesellschaftliche Zusammenhänge und die Erhöhung der Kontrollchancen über soziale Prozesse.



Das Selbstbewusstsein des „homo clausus“ entspricht einer bestimmten Phase eines Zivilisationsprozesses. Diese Phase ist charakterisiert durch eine besonders stark ausgeprägte Differenzierung und Spannung zwischen den als Selbstzwang angezüchteten Ge- und Verboten und den unbewältigten oder zurückgehaltenen Trieben und Neigungen im Menschen selbst.



Es ist dieser Wiederstreit im Einzelnen:

Diese Privatisierung / Ausklammerung bestimmter Sphären d. Lebens aus dem gesellschaftlichen Verkehr der Menschen, und ihre Belegung mit gesellschaftlich gezüchteter Angst mit Scham- und Peinlichkeitsgefühlen, die im einzelnen dazu führt, er sei »innen« etwas, das ganz für sich allein, ohne Beziehung zu anderen Menschen existiere.

Man kann diesen Zusammenhang nur verstehen, wenn man die psychischen Prozesse, die mit den Begriffen "Distanzierung" und "Affektkontrolle" gefasst werden ein wenig näher beleuchtet. Elias schreibt hierzu:









"Wenn man von neuem fragt, was eigentlich zu dieser Vorstellung eines "inneren" des Einzelmenschen Anlass gibt, das von allem, was außerhalb seiner existiert, abgekapselt ist und was nun eigentlich am Menschen die Kapsel, was das Abgekapselte ist, hier sieht man die Richtung, in der man die Antwort suchen muß. Die festere, allseitigere und ebenmäßigere Zurückhaltung der Affekte, die für diesen Zivilisationsschub charakteristisch ist, die verstärkten Selbstzwänge, die unausweichlicher als zuvor alle spontanen Impulse daran hindern, sich direkt, ohne Dazwischentreten von Kontrollapparaturen, motorisch in Handlungen auszuleben, sind das, was als Kapsel, als unsichtbare Mauer erlebt wird, die die "Innenwelt" des Individuums von der "Außenwelt" oder je nachdem auch das Subjekt der Erkenntnis von den Objekten, das "Ego" von dem "Anderen", das "Individuum" von der "Gesellschaft" trennt, und das Abgekapselte sind die zurückgehaltenen, am unmittelbaren Zugang zu den motorischen Apparaturen verhinderten Trieb- und Affektimpulse der Menschen. Sie stellen sich in der Selbsterfahrung als das von allen Anderen Verborgene und oft als das eigentliche Selbst, als Kern der Individualität dar. Der Ausdruck "das Innere des Menschen" ist eine bequeme Metapher, aber es ist eine Metapher, die in die Irre führt." (Elias, Über den Prozeß der Zivilisation, S. LXII f.)



Hierbei ist nun besonders wichtig, dass die Affekte und die Kontrollen dieser Affekte von Elias als Funktionszusammenhang verstanden werden. Aus diesem Verständnis heraus kann der neuzeitliche Zivilisationsprozess als eine bestimmte Verschiebung des Verhältnisses dieser Funktionen verstanden werden, als eine Stärkung der kontrollierenden Funktionen. Sowohl in der außer - wissenschaftlichen als auch in der wissenschaftlichen Reflexion über Menschen ist nun allerdings eine solche, funktionale Betrachtung eher selten. Die Erfahrung eines "inneren Selbst" ist nur eines der vielen Beispiele dafür. In ihr kommt ein substantivierendes Verständnis[2] der menschlichen Psyche zum Ausdruck. Diese weit verbreitete Neigung, Funktionen zu verdinglichen, die in einem hohen Maß der Struktur der meisten europäischen Sprachen geschuldet ist, trägt wesentlich zu der Vorstellung eines abgekapselten "Inneren" bei.



Es zeigt sich also, dass das gegenwärtige dominante Menschenbild, welches sich, in einem nicht unerheblichen Maße in vielen soziologischen Theorien des 20. Jahrhunderts wiederfindet, auf einer Täuschung basiert. Damit ist wohlgemerkt nicht gesagt, dass es sich bei dem Erleben als „homo clausus“ um kein wirkliches Erleben handelt. Gefühle, wie das der Entfremdung oder das der Vereinzelung sind durchaus real. Es stellt sich aber dringend die Frage, ob dieses Erleben völlig unreflektiert in wissenschaftliche Theorien übertragen werden darf.





In den folgenden Sitzungen wird es nun insbesondere um die Genese dieser „homo clausus“-Selbsterfahrung und ihrer Auswirkungen auf die soziologische Theoriebildung und ihres impliziten Menschenbildes gehen.



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[1] Am ausführlichsten wird dieses Modell in Elias‘ Artikel „Soziologie und Psychiatrie“ ausgebreitet.

Zum Verständnis des Valenzbegriffes Elias’, eignet sich unter anderem ‚Freuds Psychoanalyse: Psychische Persönlichkeit und Triebleben’, da Elias selbst betont, dass bei der Entwicklung seines Valenzbegriffes der Freudsche Libidobegriff „Pate gestanden“ habe.

[2] Der Unterschied zwischen einem funktionalistischen oder relationalen und einem substantivistischen Bild der menschlichen Psyche, kommt besonders deutlich in den Passagen des Prozess der Zivilisation zum Ausdruck, die sich mit den Prozessen der Psychologisierung und der Rationalisierung beschäftigen. "Hier, wie in vielen anderen Punkten, bedarf es zum Verständnis des geschichtlich - gesellschaftlichen Werdens einer Auflockerung der Denkgewohnheiten, mit denen wir groß geworden sind. Es handelt sich bei dieser oft beobachteten geschichtlichen Rationalisierung in der Tat nicht darum, dass im Lauf der Geschichte, viele, einzelne Menschen ohne Zusammenhang mit einander, gleichsam auf Grund einer Art von prästabilierter Harmonie, zur selben Zeit von "innen" her ein neues Organ oder eine neue Substanz entwickeln, einen "Verstand" oder eine "Ratio", die bisher noch nicht da war. Es ändert sich die Art, in der die Menschen miteinander zu leben gehalten sind; deshalb ändert sich ihr Verhalten; deshalb ändert sich ihr Bewusstsein und ihr Triebhaushalt als Ganzes."

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Obsthäppchen: Editorial OBST 24
Angelika Redder

Kommunikation in Institutionen

Editorial

Kommunikation in Institutionen ist in der Bundesrepublik seit nahezu fünfzehn Jahren Gegenstand linguistischer Untersuchungen. Dieser Zeitraum ergibt sich nicht zufällig. Vielmehr spiegelt sich in der Geschichte des Themas eine Entwicklung innerhalb des Faches wider: die Entwicklung der linguistischen Pragmatik.

Sprache wurde als Form historisch-gesellschaftlichen Handelns in ihrer konkreten Komplexität zum Gegenstand. Damit weitete sich der Blick auf die Verwendungszusammenhänge in systematischer Weise. Sprachliches Handeln unter den spezifischen Bedingungen gesellschaftlicher Institutionen wurde Objekt linguistischer Forschungen. Es galt, das Wechselverhältnis von Sprechhandlungsformen und Sprechhandlungszwecken wiederum im Wechselverhältnis zu den institutionellen Zwecken pragmatisch zu bestimmen.

Es ist deutlich, daß diese Sicht auf Sprache eine Veränderung der Analysemethoden nach sich zieht. Semantische, etwa inhaltsanalytische, oder syntaktische Analysen von Kommunikation in Institutionen können nicht mehr genügen. Das bedeutet freilich nicht, daß daran gebundene Fragestellungen, z.B. die nach sprachlichen Ausdrucksmitteln und Ausdrucksformen, nicht länger verfolgt würden. Aber sie werden nunmehr im Blick auf den Gesamtzusammenhang und ihre Funktionalität im Diskurs neu aufgegriffen.

Die umfassende Bestimmung des Gegenstands Sprache in der linguistischen Pragmatik ging einher mit einer verstärkten Aufnahme soziologischer Fragestellungen und Untersuchungen im theoretischen Bereich sowie mit einer reflektierten Ausschöpfung empirischer Verfahren, auch technischer Art (Ton- und Videoaufzeichnung), im methodischen Bereich.

So gingen zugleich verschiedenartige Analyseansätze in die sprachwissenschaftliche Untersuchung von Kommunikation in Institutionen ein, beispielsweise Verfahren und Ergebnisse aus Anthropologie, Ethnomethodologie und Ethnographie, Konversationsanalyse und symbolischem Interaktionismus, Sprechakttheorie und Diskursanalyse. Freilich machten die konkreten Analysen jeweils Differenzierungen, Modifikationen und kritische Veränderungen der Methoden und Kategorien erforderlich. Diese Entwicklung stellt sich für die einzelnen Institutionen unterschiedlich dar. Ebenso differieren die Fragestellungen und Probleme, denen Untersuchungen verschiedener institutioneller Praxen gelten. Dieser Umstand ist in der Struktur der Institutionen selbst begründet. Gleichermaßen hat das Interesse der jeweiligen institutionellen Aktanten einen wichtigen Stellenwert für die Aufmerksamkeit der Wissenschaften.

Schließlich spiegeln sich darin Position und Funktion der einzelnen Institutionen im Zusammenhang der ideologischen, politischen und ökonomischen Reproduktion einer Gesellschaft wider. Nicht zuletzt zeichnet so auch ein forschungspraktisches Problem verantwortlich: die Zugänglichkeit der Institutionen.

Es scheint nunmehr an der Zeit, eine Zusammenschau der Kenntnisse, die vorliegen, zu erstellen. Dieser Band soll einen Beitrag dazu leisten1 und den Forschungsstand für einige institutionelle Handlungsbereiche darlegen.

Gericht, ärztliche Visite, psychoanalytische Therapie, Familie, ev. Gottesdienst, Schule und berufliche Ausbildung sind repräsentiert.
Es zeigt sich in den einzelnen Artikeln, daß der Forschungsstand sehr unterschiedlich ist, teilweise erst auf wenigen Projekten basiert. Dementsprechend differieren die Darstellungsformen zwischen eher kritischen bibliographischen Berichten und mehr exemplarischen Vorführungen der hantierten Probleme.

Alle Artikel informieren. Zugleich, so scheint mir, enthalten sie eine doppelte Herausforderung: die wissenschaftlichen Einsichten in die institutionellen Praxen zu vertiefen, um sie zu verändern, sowie einen Reflexionsprozeß über die Konjunkturen sprachwissenschaftlicher Fragestellungen im Verhältnis zu den Konjunkturen einer Gesellschaftsformation vorzunehmen.


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fränky 8)

mad max
01.10.2005, 19:16
...soooo lang und ganz ohne bilder.... :? :? :?
max

fränky
01.10.2005, 19:18
die kommen doch noch... 8)

torben
01.10.2005, 19:36
stfu pleaz xD

sur-finn
04.10.2005, 20:15
oh, muchas gracias hombre!
und ich übertrag ddasjetzt mal ebent schnell auf das thema interkulturelles management und alle incl. meinem prüfer sind zufrieden :-D :-D :-D

lernen bleibt lernen und besonders dann wenn man unter zeitdruck steht
:evil: :twisted: :twisted:
es kommen bessere tage!!!

Finn