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Wissenschaft die Wissen schafft: Warum Holz und Kohle-/Glasfaserverbund für Decks?

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  • Wissenschaft die Wissen schafft: Warum Holz und Kohle-/Glasfaserverbund für Decks?

    Hallo Community,

    ich studiere an der TU Berlin Werkstoffwissenschaften mit Vertiefung Verbundwerkstoffe und metallischen Leichtbauwerkstoffen und möchte euch ein bisschen Wissen aus meinem Studium mitgeben. Daher mache ich mal eine kleine Serie zum Thema „Wissenschaft die Wissen schafft“ auf und gebe Infos weiter die einige sicherlich nicht wissen und die, die dies mit Erfahrung alles schon ausprobiert haben biete ich eine wissenschaftliche Grundlage. Sehr gerne dürfen Fragen gestellt werden oder auch eigene Ideen mit eingebracht werden, wenn jemand meine Gedanken anders auslegen möchte oder sagt „das ist Quatsch, weil ….“, ich lerne gerne immer dazu. Achja, mein persönliches Ziel ist es die Sachverhalte so zu erklären, dass sie jeder verstehen kann, egal welcher Schulabschluss, egal welches Alter, Formeln und deren Herleitung versuche ich auf das Nötigste zu begrenzen und die Fachwörter versuche ich mit den umgangssprachlichen Ausdrücken zu Verbinden.

    Wer hat sich schon mal die Frage gestellt, warum gute Longboarddecks aus Holz und Kohlefaser- bzw. Glasfaserverbundwerkstoffen bestehen? Warum nicht Alu, warum nicht Stahl, warum nicht nur aus Kunststoff?

    Gut die Erfahrenen wissen, Aludecks sind zu schwer, Kunststoff biegt sich stark durch und außerdem gibt’s seit Jahren gute Erfahrung mit diesem Materialmix, warum also etwas anderes nehmen? Nun vielleicht sind andere Werkstoffe besser, bessere Einstellung der mechanischen Eigenschaften, deutlich leichter und und und …. oder eben auch nicht.

    Als Grundlage muss man natürlich verstehen auf welche Eigenschaften es ankommt. Erst mal reicht es uns aus, dass wir Gewicht des Decks und den Flex wissenschaftlich betrachten.

    Betrachten wir zu Beginn das Gewicht eines Decks, da es kein Universaldeck gibt und jeder eigene Vorlieben zum Thema Wheelbase, Breite, Dicke und Biegungen wie Concave/Chamber/Rocker hat, müssen wir erst mal den Geometriefaktor rausnehmen. Das geht relativ einfach in dem wir nur die Dichte eines jeden Werkstoffes betrachten:

    ρ= m/V [g/cm³ bzw kg/m³]

    Die Formel sagt nichts anderes aus, dass die Dichte „Roh“ sich bildet aus der Masse m durch das Volumen V (dividieren). Die Einheit wird normalerweise in g/cm³ angegeben, es gibt aber auch andere Angaben wie kg/m³, wobei hier der Faktor von 1000 eine Rolle Spielt. Wasser z.B. hat die dichte 1 g/cm³ oder 1000 kg/m³. Man betrachtet umgangssprachlich also immer das Gewicht von einem Kubikzentimeter oder Kubikmeter.

    Verschiedene Dichten unterschiedlicher Materialien findet ihr hier und natürlich wenn ihr Werkstoffe bei google/wikipedia sucht:
    https://de.wikibooks.org/wiki/Tabell..._fester_Stoffe

    Die Steifigkeit eines Bauteils ist dagegen schwieriger, denn diese hängt immer mit der Belastung zusammen und bildet sich aus dem E-Modul (einem Werkstoffspezifischen Kennwert) und einen Geometriefaktor, z.B. bei Biegung dem Flächenträgheitsmoment. Das Flächenträgheitsmoment bestimmt sich wieder aus der Geometrie des Decks und das lassen wir bei der Optimierungsbetrachtung außen vor, konzentrieren wir uns also auf den E-Modul im Englischen auch als Young’s Modulus beschrieben.

    Wir nehmen erst mal etwas Bekanntes, wer hat noch nicht mit einer Kullifeder rumgespielt? Falls nicht, nehmt einen Kulli/Kugelschreiber, bau ihn auseinander und drück mal die Feder leicht zusammen und dann nochmal bis zum Anschlag, man merkt, man braucht mehr Kraft um die Feder komplett zusammen zu drücken. So ist es auch bei den Werkstoffen, Atome und Moleküle sind ähnlich wie euer Zeigefinger und Daumen mit Federn verbunden, nur sind das für den Wissenschaftler keine Federn sondern Bindungen die auf Grund der chemischen/physikalischen Eigenschaften der kleinsten „wichtigen“ Teilchen, den Atomen und Elektronen sich einstellen. Da wäre die starken Möglichkeiten um Atome miteinander zu verbinden, wie die metallische und die kovalente Bindungen bei den Metallen (Alu, Stahl, Titan), Keramiken/Gläsern (Kohlefaser, Glasfaser) und bei den Polymeren (zwischen den Kettenatomen). Zusätzlich gibt es schwache Bindungen wie die Wasserstoffbrückenbindung, die Dipol-Dipol-Bindung, die Van-der-Waals-Bindung die vor allem bei Kunststoffen/Polymeren zwischen den einzelnen Ketten vorkommen (in der Schule/Studium zwischen den Wasserstoffatomen bzw. organischen Gruppen bei zwei nahegelegenen Polymerketten).

    Aber zurück zu den Federn zwischen den Atomen, das ist etwas einfacher zu verstehen. Diese Eigenschaft mit welcher Kraft man die Feder zusammendrücken muss, um einen gewissen Weg zu haben, nennt man Federkonstante bei Federn. Da wir aber auch hier wieder große und kleine Federn miteinander Vergleichen wollen und das ganze ungeachtet der Geometrie betrachten wollen, müssen wir dies wieder vereinfachen/verallgemeinern. Für die Vereinfachung verwerfen wir einfach das Bild von Bindungen und Federn zwischen den Atomen, das war nur ein Modell, sondern man nimmt den E-Modul als werkstoffspezifischen Kennwert an und denkt nicht weiter darüber nach:

    E = σ/ε [MPa bzwl GPa]

    Die Einheit des E-Modul ist eigentlich Megapascal, da die Werte aber immer den Faktor 1000 dabei haben spricht man einfacher von Gigapascal und lässt die drei Nullen einfach weg, das ist ähnlich wie mit Megabite und Gigabite (Faktor 1024). Eine Liste mit den Steifigkeiten unterschiedliche Materialien findet ihr hier:
    https://de.wikipedia.org/wiki/Elastizit%C3%A4tsmodul

    Nun müssen wir die Eigenschaften noch zusammen bringen, mit dem Ziel ein möglichst leichtes, steifes Brett aus zu legen. Warum leicht und steif? Weil keiner ein schweres Deck pushen möchte, noch etwas käseartiges, wabbelig bei jeder Belastung, fahren möchte.

    Wie bringen wir nun die Eigenschaften zusammen? Nun das hat schon jemand gemacht, ein Professor namens Michael F. Ashby. Dieser hat ein Diagramm (und weitere) erstellt mit der Dichte auf der X-Achse und der Steifigkeit auf der Y-Achse. Anschließend alle bekannten Materialien bzw. Werkstoffklassen darin eingezeichnet. Da die Dichte und die Steifigkeit ziemlich weit streuen wurde eine logarithmische Skala verwendet. Die ist gar nicht so schwer zu verstehen, die einzelnen Schritte sind nicht 1,2,3,4 sondern 0,1; 1; 10; 100; 1000 so kann man größere Bereiche abdecken. Zwischen drin ist der Abstand zwischen 1 und 2 größer als bei 8 und 9, einfach nicht so viel darüber nachdenken.

    Ashby, youngsmodulus density.jpg

    Diagramm entnommen aus: Michael F. Ashby; Materials selection in mechanical design : das Original [third edition] mit Übersetzungshilfen deutsche Easy-Reading-Ausgabe; 2007 in München : Spektrum Akad. Verl. erschienen; ISBN 978-3-8274-1762-6 ; ISBN 3-8274-1762-7

    Für eine möglichst leichte/steife Konstruktion können wir Werkstoffe verwenden die oberhalb der roten Linie zu finden sind. Diese wurde anhand von Verallgemeinerung eine Platte unter Biegung erstellt.

    Dabei fallen die klassischen Kunststoffe und die Metalle schon mal raus, übrig bleiben Schäume, Hölzer, Verbundwerkstoffe und Keramiken. Jetzt muss man weiter Werkstoffe eliminiere. Als weiteres Kriterium wollen wir nur noch Werkstoffe betrachten die über dem E-Modul von 1 GPa sind, darunter müssten wir die Decks sehr dick auslegen um starken Flex zu vermeiden und bekommen Probleme mit den Festigkeiten.

    Als Werkstoff mit dem höchsten Emodul bleibt der Diamant übrig (Die Bindung sind am stärksten) und Keramiken/Gläser die aber alle auf Grund ihrer spröden Eigenschaften und/oder zu hohen Preises nicht für die Fertigung von Decks in Frage kommen können.

    Gut, nun bleiben Hölzer und Verbundwerkstoffe übrig. Im Diagramm zu lesen ist, das Hölzer nur parallel belastet (englisch: parallel to grain = parallel zur Faser) gut sind, damit ist gemeint, dass der Faserverlauf parallel zur Längsrichtung des Balken ist (parallel zur Fahrrichtung/Wheelbase), senkrecht (englisch perpentikular to grain) dazu ist die Steifigkeit auch nicht groß genug, daher die zugehörige Blase geschnitten von der Linie. Das ist wohl den meisten bekannt, daher bei dem Mulitplexplatten/Starkfunier immer Unter- und Oberseite mit dem Faserverlauf in Fahrtrichtung um höhere Steifigkeiten ausnützen zu können.

    Nun zu den Verbundwerkstoffen, Glasfasern/GFK (GFK= Glasfaserverstärkter Kunststoff) ist sehr nahe an der Linie und wirkt daher nicht optimal, aber als Lage gegen Torsion/Verdrehung ist es gut geeignet und sprengt vor allem auch nicht das Budget, Geld ist ja immer knapp. Als Decklagen gegen die Durchbiegung bietet sich aber eher Kohlenstofffasern/CFK an (CFK= Kohlenstofffaserverstärker Kunststoff, CFRP = carbon fiber reinforced plastic) da diese sehr steif sind und eben auch sehr leicht sind, mit Epoxid als Matrix. Ganz oben in der Blase steht CRFP Uni-Ply, damit ist eine UD-Schicht gemeint, da hier die Fasern gestreckt sind und anders als bei Gewebe der Schussfaden nicht über und unter den Kettenfäden hindurch müssen. UD-Lagen sind daher optimal für die Einstellung der Steifigkeit.

    Ein Trick den man mit Verbundwerkstoffen und Bauteilen auf Biegung anwendet ist, dass man nur die äußersten Lagen aus dem teuren CFK herstellt und dazwischen günstige Schäume oder Hölzer einbaut, sogenannte Sandwichstrukturen (in Longboardsprache Foamie). Die Dicke bzw. der Abstand zur Mitte ist maßgeblich für die Biegesteifigkeit. In die Biegesteifigkeit spielt auch die Geometrie wieder eine Rolle, für die Geraden im Diagramm wurde das außen vor gelassen um eine Allgemeine Aussage zu bekommen.

    Und nun sind wir wieder beim Bekanntem, unsere Longboardecks sind also aus Sicht eines Werkstoffwissenschaftlers optimal ausgelegt und um diese noch besser zu machen bzw. auf die Anwendungen anzupassen können wir nun noch den Holzkern leichter machen (Aussparungen mit Aramidwabenkern füllen) oder ganz durch einen Schaumkern ersetzen, die Dicke des Decks variieren mit unterschiedlicher Anzahl an Decklagen und starke und schwache Konkavs einbauen bzw. nen Rocker/Chamber bauen.

    Wer nun sagt: „Haben wir alles schon gewusst“ den Beglückwünsche ich, die wenigsten Ingenieure haben ein Ashbydiagramm kennen gelernt, das Programm um z.B. passende Legierungen und andere Eigenschaften wie Festigkeit etc. auszuwählen kostet einen Haufen Geld. Durch Ausprobieren und Testen kommt man natürlich sehr weit, aber es kostet auch sehr viel Zeit und Geld, daher ist das Vermitteln von theoretischen Zusammenhängen extrem wichtig.

    Gerne darf man mir auch ein Feedback geben, keine Ahnung wie viel die Community weiß, keine Ahnung wie alt ihr seid und was ihr studiert habt, in welchem Bereich ihr Arbeit oder ob ihr noch die Schulbank drücken müsst. Ziel war es Wissen für alle zu schaffen und ich würde mich freuen wenn ihr etwas mitgenommen habt.

    Viele Grüße
    Das sechste Element

    Nachruf:
    Ich habe den Text vor ca. einem Monat erstellt und immer mal wieder editiert. Seitdem habe ich auch mehr Erfahrung zum Thema Longboards sammeln können. Für faserverstärkte Decks werden immer noch häufig Glasfaser verwendet, zumindest entnehme ich das so den Bauberichten. Teils aus Gründen der Kosten oder der Einstellung des Flexes. Wenn man die Auswahl der möglichen Materialien liest könnte man den Eindruck gewinnen Glasfasern sind nicht optimal, das ist natürlich nicht so, sondern nur unter Gesichtspunkten der Steifigkeits/Gewichtsoptimierung sind Kohlenstofffasern besser als Glasfasern. Letztere haben aber den großen Nachteil der Dimensionierung und es ist sehr viel schwieriger ein ausgewogenes Deck auszulegen, mit einem angenehmen Flex, als es mit Glasfasern möglich ist.

  • #2
    AW: Wissenschaft die Wissen schafft: Warum Holz und Kohle-/Glasfaserverbund für Decks

    Schön dass du hier ein wenig von deinem Wissen teilst. Es ist zwar beim Boardbau nicht besonders hilfreich, aber trotzdem interessant zu wissen.
    Das mit dem E-modul hab ich aber nicht ganz kapiert. Kann man dem einen umgangssprachlichen Begriff geben? Ist es nur die Festigkeit der Verbindung einzelner atome? Wirkt sich das auf Härte, Zugfestigkeit oder Elastizität aus?
    Danke, michi
    Menno

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    • #3
      AW: Wissenschaft die Wissen schafft: Warum Holz und Kohle-/Glasfaserverbund für Decks

      Wenn ich mich recht entsinne war das E-Modul das Elastizitätsmodul, also eine Proportionalitätskonstante. Bei Lebensmitteln, mit denen ich mich beschäftige, hat dies Einfluss auf die entsprechende Elastizität, also die Rückkehr eines Produktes aus der belasteten Lage in die Ausgangslage. Ein ideal elastischer Körper kommt zu 100% zurück in seine ursprüngliche Lage, die Realität zeigt aber oftmals, dass die entsprechende Einwirkung von Belastung ein Nachlassen der Elastizität zur Folge hat. Das E-Modul ist ein Wert der aus der Steigung einer Kurve entsteht, die den Verlauf vom Elastischen und auch Plastischen zeigt. Der Plastische Bereich ist eben der Bereich, in dem eine irreversible Zustandsänderung geschieht, das Material verformt sich. Je höher also das E-Modul ist, desto höher ist auch die Steigung. Der Graph wird dabei mit den Werten der Spannung und der Längenänderung beschrieben.

      Soll heißen: Wenn wir einen Stoff haben, der ein geringes E-Modul aufweist, so wird wenig Spannung benötigt um eine große Längenänderung zu schaffen (Flex). Problem dabei ist, dass dadurch ebenfalls der plastische Bereich wesentlich einfacher zu erreichen ist und somit die irreversible Lageänderung. Bei einem steifen Brett hingegen ist das E-Modul und somit die benötigte Spannung für dieselbe Längenänderung wesentlich höher. Dadurch verschieben sich auch die Bereiche der elastischen udn plastischen Momente. Problematisch dabei ist jedoch wieder der Bereich, in dem ein Stoff seinen Bruchpunkt hat. Dieser ist bei steifen Brettern hingegen durch eine kürzere Längenänderung zu erreichen, benötigt jedoch damit auch andere Kräfte.

      Man kann somit banal gesehen sagen, dass durch das E-Modul eine mathematische bzw. wissenschaftliche Möglichkeit der Produktoptimierung bzw. neue Facetten dieser leichter zu erfassen/kontrollieren/vorhersehen sind, jedoch eigentlich schon so ziemlich alles durch reine Materialkunde und Erfahrung bereits nahezu intuitiv erreicht werden kann oder erreicht wird.

      Falls ich damit falsch liege mag man mich bitte verbessern, bin ja als Student auch noch im Lernprozess und hoffe mein Wissen möglichst korrekt anwenden zu können :D

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      • #4
        AW: Wissenschaft die Wissen schafft: Warum Holz und Kohle-/Glasfaserverbund für Decks

        Hallo,

        naja es geht ja häufig darum wie kann ich ein Deck besser machen, da werden die wildesten Ideen geäußert, aber wirklich bei den Basics angefangen, welches Material besser ist für mehr Steifigkeit oder weniger Gewicht, dazu habe ich noch keinen Beitrag gelesen.

        Das mit dem E-Modul ist nicht so einfach, wenn man Allgemein sprechen möchte. An sich ist der E-Modul eine Werkstoff spezifische Steifigkeit, jeder liest hier aber nur das Wort Steifigkeit, daher habe ich das bewusst versucht auszuklammern, denn das ist so nicht richtig, Werkstoff spezifische Steifigkeit. Hat ja anscheinend doch nicht so funktioniert, wie ich mir das gedacht habe.

        Steifigkeit ist immer abhängig vom Belastungsfall, geht es nur um eine Zug/Druck Belastung, gilt das Hooksche Gesetz mit Spannung= E-Modul*Dehnung. Spannung ist hierbei die Kraft bezogen auf die Querschnittsfläche, Dehnung die Längenänderung/ Anfangslänge. Sprechen wir aber von Biegung ist die Biegesteifigkeit der E-Modul*Flächenträgheitsmoment, im Fall eines Rechteckes lautes das Flächenträgheitsmoment Breite*Höhe^3 /12. In einer Biegebelastung trägt die Geometrie deutlich stärker bei, mit Höhe^3 (Höhe = Dicke) als der E-Modul der nur mit ^1 eingeht. Wenn man aber nur die Werkstoffe betrachten möchte, muss man sich von der Geometrie lösen und nur noch den E-Modul betrachten. Ein Dilemma.

        Festigkeit/Härte/Elastizität sind alles andere Begriffe die mit der Steifigkeit nicht gleichbedeutend sind, sondern immer andere Eigenschaften beschreiben. Diese hängen zwar mit einander zusammen, müssen es aber nicht. Das würde aber nun wieder alles richtig verkomplizieren, leider.

        Wenn das mit den Federn und Bindungsenergien zu umständlich ist, ändere ich das ab. Meine Studenten, die ich als Tutor betreut habe, konnten sich darunter mehr vorstellen. Tatsächlich ist es eben auch so, dass die Bindungsart/Bindungsstärke den E-Modul beeinflussen. Keramiken weißen einen höheren E-Modul auf als z.B. Metalle auf Grund von der kovalenten Bindung statt metallischen Bindung. Die Krux ist, auch bei Metallen kann es kovalente Bindungen geben.

        Werkstoffkunde ist ziemlich umfangreich und verwirrend, daher bei vielen Ingenieursstudenten verhasst, vielleicht ändere ich aber ein bisschen etwas hier im Forum.

        Viele Grüße

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        • #5
          AW: Wissenschaft die Wissen schafft: Warum Holz und Kohle-/Glasfaserverbund für Decks

          Da sind die Lebensmittel für mich durchschaubarer, wenn auch nicht minder komplex aufgrund der Stoffgemische mit verschiedensten Aggregatzuständen ;)

          Vielen Dank aber für deine Mühen und auch die umfangreiche Erklärung! :D

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          • #6
            AW: Wissenschaft die Wissen schafft: Warum Holz und Kohle-/Glasfaserverbund für Decks

            Zitat von CyanideChrist Beitrag anzeigen
            W

            Falls ich damit falsch liege mag man mich bitte verbessern, bin ja als Student auch noch im Lernprozess und hoffe mein Wissen möglichst korrekt anwenden zu können :D

            Hallo,

            da habe ich nun wohl die Büchse der Pandora geöffnet. Deine Ausführungen sind teilweise richtig, teilweise nicht verständlich, teilweise falsch in Bezug auf Werkstoffe. Lebensmittel sind keine Werkstoffe sondern unterliegen größten Teils anderen Effekten/Beschreibungen, deswegen müssen wir die raus lassen.

            Elastizität, ich verstehe darunter eine elastische Längenänderung, bleibt man in diesem Bereich verformt sich der Körper in seine Startform zurück. Tut er das nicht, ist er nicht elastisch/reversivel sondern irreversibel und plastisch verformt. Bei Kunststoffen kann das zu großen Hürden/Problemen führen, da auf Grund der Molekülketten mit den schwachen Bindungen zwischen den Ketten der Effekt der Umkehrbarkeit stark von bestimmten Effekten abhängig ist. Für Metalle/Keramiken/Faserverbundwerkstoffe gelten die vorangegangen Sätze.

            Der zweite Absatz ist schwierig, du beschreibst die Durchbiegung eines Balkens, es geht dabei aber um die Durchbiegung [mm] und die Kraft [N] nicht um Längenänderung und Spannung, die können zwar auch berechnet werden, sind aber einfach anders in Kontex zu setzen.

            Der dritte Absatz verstehe ich nicht so ganz in Bezug auf die Produktoptimierung, ist aber soweit auch egal, an sich ist der E-Modul auch schon bekannt, die wirklich Neuerung ist, dass die Dichte und der E-Modul zusammen einen Rolle spielt, also nicht jeder alleine sondern mit einander Verbunden. Wenn man das Diagramm betrachtet, kann man auch andere Geraden erkennen, eine Gerade davon beschreibt den Zusammenhang von E-Modul und Dichte bei einem Zugstab (E/roh) unten links. Verschiebt man diese Linie nach oben, kann man erkennen, dass Stahl/Titan/Aluminium auf einer Linie sind. Möchte ich also einen Zugstab auf minimales Gewicht bei gleichbleibender Steifigkeit auslegen, ist es egal, ob ich Stahl/Titan/Aluminum wähle. Alu ist leichter, ich kann also den Querschnitt vergrößern, sodass ich genauso steif bin wie mit Stahl, das Gewicht bei gleicher Steifigkeit bleibt dann aber gleich.

            Anders sieht es bei der Festigkeit aus, bei Titan kann die z.B. höher sein als bei bestimmten Stählen, wenn man auch noch die Fertigung mit einbezieht und wird daher gerne als Leichtbaumaterial in der Luft und Raumfahrt mit eingesetzt. Dabei geht es aber nicht darum was ist bei gleicher Steifigkeit leichter sondern bei welcher Belastung geht etwas früher kaputt. Seit dem kalten Krieg, wird aber vermehrt Leichtbau aus Stahl und Alu betrieben, da Titan einfach zu teuer ist. Die Sowjets hatten viel mit der Entwicklung von diesen Materialien zu tun gehabt, da sie Titan in großen Mengen herstellen konnten und fürs Militär ist der Preis eh immer sekundär.

            Ihr seht, das mit der Steifigkeit ist gar nicht so einfach.

            viele Grüße

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            • #7
              AW: Wissenschaft die Wissen schafft: Warum Holz und Kohle-/Glasfaserverbund für Decks

              Zitat von CyanideChrist Beitrag anzeigen
              Da sind die Lebensmittel für mich durchschaubarer, wenn auch nicht minder komplex aufgrund der Stoffgemische mit verschiedensten Aggregatzuständen ;)

              Vielen Dank aber für deine Mühen und auch die umfangreiche Erklärung! :D
              Hallo,

              bei mir ist es anders herum, ich hasse Lebensmittel wenn Sie sich bei mir in die Werkstoffkunde schleichen, Ketchup hat z.B. ein tixotropes Verhalten, also erst auf die Flasche hauen, sodass alles rauskommt, den vorher passiert nichts, da die Scherung zu klein ist. Es gibt vielleicht 2-3 Spezialfälle in der Werkstoffkunde/Werkstofftechnik wo man diesen Effekt anwenden kann und immer kommen die Profs mit dem Ketchup an.

              Aber jedem das seine =)

              Viele Grüße

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              • #8
                AW: Wissenschaft die Wissen schafft: Warum Holz und Kohle-/Glasfaserverbund für Decks

                Moin,
                hab mir das alles nicht durchgelesen, aber zum Thema warum Holz und Fasern statt Alu etc...
                Das hat einfach was mit Pop, Haptik und Nachhaltigkeit zu tun... und natürlich auch Nostalgie.

                Ein Skateboard ist aus Holz, Holz wächst nach, Aluminium und Stahl eher nicht.
                Stahl und Alu haben quasi keinen Pop... es macht einfach nicht so viel Spaß.

                Sicherlich ist es praktikabel und Alu und Stahl lassen sich jeweils besser bearbeiten als Holz, vor allen dingen präziser.. Aber es ist eben nicht true.

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                • #9
                  AW: Wissenschaft die Wissen schafft: Warum Holz und Kohle-/Glasfaserverbund für Decks

                  ok.
                  Holz_Laptop1.jpg
                  OLSON & HEKMATI
                  asphaltinstrumente

                  Kommentar


                  • #10
                    AW: Wissenschaft die Wissen schafft: Warum Holz und Kohle-/Glasfaserverbund für Decks

                    Sogar mein achtjähriger Bruder ohne jegliche physikalische Vorstellung kann sich vorstellen dass Boards aus Metall einfach nur schund sein können...
                    Erklären warum das so ist kann ich aber auch nicht deshalb ist es ja ganz interessant das mal zu erfahren.
                    Menno

                    Kommentar


                    • #11
                      AW: Wissenschaft die Wissen schafft: Warum Holz und Kohle-/Glasfaserverbund für Decks

                      Öhm Pogo?

                      Kommentar


                      • #12
                        AW: Wissenschaft die Wissen schafft: Warum Holz und Kohle-/Glasfaserverbund für Decks

                        Hallo,

                        @ Klotzey, mir ging es nicht um Einstellungen, sondern darum eine wissenschaftliche Basis zu diesem Thema zu schaffen. Der Beitrag fällt natürlich nicht zu Gunsten der Metalle aus, sondern zu den besten Materialien wenn es darum geht möglichst steif & leicht zu sein. Mir ging es um nichts anderes. Du kannst den Beitrag natürlich mal in Ruhe durchlesen, vielleicht verstehst du dann was ich meine.

                        @ Hekmati, danke.

                        @ Bobbycartuner, was meinst du?



                        Viele Grüße

                        Kommentar


                        • #13
                          AW: Wissenschaft die Wissen schafft: Warum Holz und Kohle-/Glasfaserverbund für Decks

                          Naja die verbauen doch Metall im Unter und Obergurt und das sind steife und leichte Bretter, die lange halten.

                          Kommentar


                          • #14
                            AW: Wissenschaft die Wissen schafft: Warum Holz und Kohle-/Glasfaserverbund für Decks

                            Ich kaufe meine Boards lieber von guten Handwerkern, die auch selbst fahren, als von Wissenschaftlern.
                            ;P

                            Kommentar


                            • #15
                              AW: Wissenschaft die Wissen schafft: Warum Holz und Kohle-/Glasfaserverbund für Decks

                              Zitat von Johnsen Beitrag anzeigen
                              Ich kaufe meine Boards lieber von guten Handwerkern, die auch selbst fahren, als von Wissenschaftlern.
                              ;P
                              der heutige stand des handwerks hat mMn ziemlich viel mit wissenschaft zu tun.
                              man könnte sich jetzt streiten, wo wissenschaft anfängt, aber ich persönlich finde, in anbetracht der mühe des TE und seiner beweggründe, kann man einfach lob zeigen.
                              signaturregeln

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