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[ Rookie ] Fat Shorty (low budget Öko-Erstbau)

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  • [ Rookie ] Fat Shorty (low budget Öko-Erstbau)

    Ich habe Harze und Lacke vermieden, da ich nur ein Zimmer zur Verfügung habe, dass ich mir auch noch mit 'nem Langohrlöwen teile. Hätte ich damit angefangen, wäre der mir wahrscheinlich an die Kehle gegangen, während ich im Epoxydrausch auf'm Boden liege.

    Den Bericht hatte ich im Voraus und während des Baus geschrieben, deswegen ist er größtenteils auch in einer Art ToDo-Listenform verfasst.


    Planung:


    Vorbild war anfangs das Humu/LBL Fish.
    Ich wollte dann doch was Breiteres, also hingesetzt und rumgekritzelt.
    Herausgekommen ist ein breites Fishshape, der "Fat Shorty".

    Da ich keinen Drucker besitze, hab ich mir eine Schablone aus der Pappe des 3mm-Birke-Multiplex gebastelt.

    Da allerdings jeder vier Platten zusammenleimen kann (auch ohne vernünftige Presse), und ich noch ein Reststück Balsaholz bei meinen Eltern fand, das ich mal als kleiner Bub vor etwa 14 Jahren zum Basteln verwendet hatte, hat der dicke Shorty noch eine Balsaholzfüllung in den Bauch bekommen.
    (Kein Stirnholz, sondern mit Längsmaserung, da es aber zwischen zwei Schichten Birkensperrholz liegt, kein Problem, vermindert außerdem noch den Flex.)

    So 'ne Balsaholzfüllung kann an sich jeder, also hab ich in die unterste Lage noch Rails eingearbeitet.

    …und da an sich auch jeder Rails machen kann, hab ich bei den untersten drei Lagen noch eine ultimative Design-Bohrung ins Tail eingearbeitet.equitas-albums-ugly-smileys-487-picture320715-daumen-hoch.gif


    Aufzeichnen und Aussparungen sägen:


    Die Schablone für's Shape hat an der geraden Kante einen Abstand von 12cm zum Rand (bei 30cm breiten Platten), der gerade Rand ist auch gleichzeitig die Anlagekante für die Innenseiten der Balsakerne. Nach Aufzeichnen des Shapes habe ich das Stück Balsaholz längs halbiert und zurechtgeschliffen, um die entstandenen Kerne als Schablone für die 3. Lage v. u. zu benutzen. Diese Lage hab ich dann als Schablone für die zweite Lage genommen und als Schablone um die Position der Kerne auf die Shape-Schablone zu übertragen. Anhand der Position der Kerne auf der Schablone hab ich dann die Schablone für die Rails ausgerichtet.
    Die untere Lage wurde mit Rails und Tailbohrung versehen, die beiden mittleren Lagen mit Kernaussparung und Tailbohrung und die obere Lage blieb unbearbeitet.





    Pressen:

    Rocker an sich ist ja ganz schön, aber Concave ist doch schöner…aber wie ohne Presse?
    Ergebnis meines konstruktiven Brainstormings: Gar nicht.
    Also hab ich mir eine Biotech-IT-Flywheels-Presse gebaut .(Alles hat's ohne Beschädigungen überstanden.)




    1.) Die unteren beiden Lagen verpressen (unter die Lage mit den Rails habe ich die zukünftige obere Lage ohne Ausschnitte gelegt, um den Druck vollflächig zu verteilen. Beim Leimen habe ich Rails und Balsakernposition ausgespart.)
    2.) Lage 1+2 mit Lage 3 verbinden
    3.) Balsakerne einsetzen, auf passende Höhe schleifen, verleimen, Tailbohrung zurechtfeilen/-schleifen
    4.) Toplage verleimen

    Pressdauer: Je 1 bis 1,5 Tage

    Mit einem Schraubendreher habe ich die Verleimung überprüft. Hatte an den Ecken keinen Leim aufgetragen, um dort noch unterhebeln zu können. Sah alles gut aus. An einem der Rails sieht man allerdings, dass ich da mit dem Schraubendreher wohl etwas zu grob war (Abdruck)…
    (Der Schraubendreher ist mir später beim Überprüfen der Multiplex-Sägereste für ev. Bastelarbeiten dann noch abgebrochen *grmpf*, spricht aber wohl für die Holz-Leim-Verbindung.)


    Deck in Form bringen:

    1.) Mit dem Dremel leicht außerhalb des vorgezeichneten Shapes Bohrungen setzen
    2.) Laubsäge durch Bohrung fummeln
    3.) Kräftig sägen und Schreibtisch + Boden einsauen
    4.) Mit der Raspel "Bohrlochzacken" wegraspeln
    5.) Kanten glatt schleifen, untere Kante anfasen und obere leicht abrunden




    Tail:

    Einige werden's schon geahnt haben, die hippe Designertailbohrung ist natürlich nicht zum Finger reinstecken und drin rumwurschteln, nein, die ist Teil eines "Kronkorkenentferners".

    Ich hatte noch ein Stück Spiegelblech gefunden (Schrott, rostfreier Edelstahl), dass ich ursprünglich mal für Casemodding eingeplant hatte. Daraus wurde in Verbindung mit einem Rest Alublech (auch ehemals Schrott, befindet sich unter dem Spiegelblech) eine schnieke Abdeckung für die Öffnung.

    1.) Alublechreste zurechtfeilen und entgraten
    2.) bohren
    3.) Auf's Deck legen, anzeichnen und Aussparungen mit dem Hamster 4000 ausknabbern
    4.) Löcher im Deck vorbohren, Schrauben kürzen (hatte nicht genug kurze Schrauben rumliegen)

    1.) Spiegelblech in Form bringen und dabei feststellen, dass es trotz der geringen Dicke mistig zu bearbeiten ist (5 Dremeltrennscheiben verbraucht, die sind aber auch nicht dolle)
    2.) Bohrungen setzen (vorbohren und größer dremeln) und dabei feststellen, dass auch dass nicht so toll zu machen ist (Ergebnis: 2 stumpfe Bohrer, nur drei Bohrungen)
    3.) Öffneröffnung mit Trennscheiben grob ausfriemeln und beim Funkenflug merken, wie gern man eig. mal wieder vernünftig flexen und schweißen würde
    4.) Öffneröffnung rund schleifen (bei der Öffnung ist dann die sechste Trennscheibe und ein Korundschleifstift draufgegangen)
    4.) Spiegelblech entgraten
    5.) Auf's Deck legen, anzeichnen, vorbohren für Schrauben
    6.) Gravur mit CD-Marker vorzeichnen und Blech gravieren




    Achsbohrungen:

    Da ich nur den Dremel und keine Bohrmaschine oder Akkuschrauber habe und dieser nur bis 3,2mm Bohrer fassen kann, hab ich mit 3,2mm vorgebohrt und mit Windeisen und Gewindebohrern von Hand die Bohrungen geweitet (vorher natürlich Achsen aufgesetzt, mittig und auf einer Linie ausgerichtet).


    Grafik & Griptape:

    1.) Deck anfeuchten damit sich die Fasern aufstellen, dann abschleifen
    2.) Mit Bleistift eine grobe Vorskizze auf's Deck zeichnen (fette Ratte, die einen auf Uncle Sam macht und in Ripper-Manier durch's Deck schaut)
    3.) Mit Brennpeter Konturen nachziehen und schattieren
    4.) Sehr sehr starken Kaffee ansetzen, einige Stunden ziehen lassen (hatte ich bereits im Voraus gemacht) und Deckunterseite/-rand und einige Grafikbereiche einfärben
    (an den Rändern habe ich mit sehr wenig Flüssigkeit im Pinsel gearbeitet und auch nicht bis direkt an den Rand gefärbt, da die Flüssigkeit in den Fasern immer noch etwas weiterzieht, hab's vorher auf einem Reststück Multiplex probiert)
    5.) Zur Imprägnierung eine alte Restkerze im Wasserbad in einer Blechdose einschmelzen, das Wachs gleichmäßig verteilen (hab ich mit 'nem Stück alter Jeans gemacht) und ins Holz reiben (eine Drecksarbeit…)
    6.) Wassertest: Wasser auf's Deck sprühen, warten, schauen, was die Tropfen machen, abwischen, gucken, ob was durchgegangen ist (wäre Wasser durchgegangen, hätte es auf der Kaffeefläche Flecken gegeben…)





    Hatte noch 'ne Lage Jessup und etwas Leo-Grip rumliegen, da die Griptapes beide zu schmal waren, musste eine Kombi aus beiden her. In den mittleren Streifen habe ich dann noch einen freundlichen Spruch (Ambigram) geschnitten.




    Setup:

    Passend zum Pseudo-Oldschool-Style des Decks mussten natürlich auch die richtigen Achsen her. Die habe ich auf ebay in Form von grünen Gullwing Sidewindern (mit Sims Nitros und brauchbaren Lagern) gefunden.
    Da die Achsen schon etwas älter sind und gebraucht waren, konnten sie eine kleine Auffrischung gut vertragen. Dazu musste ich sie nur erstmal auseinander bekommen. Die Lenkgummis waren ziemlich stark angezogen, über die Jahre hat sich der Weichmacher zum Teil verabschiedet und Cupwasher plus Topbushing sind mit dem Kingpingewinde eine innige Verbindung eingegangen, die sich nur mit einem schmalen Schlitzschraubendreher und viel Gewalt lösen ließ (dabei ist mir dann auch mal der Schraubendreher in den Daumen geflutscht).

    Vorher:


    Nachher:


    Rollen sind Wingswheels von meinem Zorlac geworden (an dem sind jetzt andere passendere Rollen). Zwischen Rolle und Hanger ist jeweils eine kleine Buchse, um die Achse noch etwas zu verbreitern (Lagerinnenringe waren zu breit).


    …und "Schwupps!" ist die Stadtratte mit Flywheel-Concave fertig!:hoho:





    Materialkosten:

    Insgesamt hab ich für's Deckmaterial (Birke & Leim, Balsa umsonst) etwa 13,-€ bezahlt,
    plus 25,50-€ für's Setup (Rollen mit einem anderen Board getauscht),
    Bushings aus'm Skateboard genommen (4,-€ im lokalen Skateshop),
    Schrauben und Muttern paar Cent,
    Hutmuttern, Scheiben, Bleche und Co kostenlos aus Ausbildungszeiten,
    Griptape…also etwa 50,- für'n komplettes Board (solange Arbeitszeit, Werkzeug/Verbrauchsmaterial, etc. nicht mit einberechnet wird)…


    Daten:

    Maße: 756 x 265 x 15,8 (Länge x Breite x Höhe in mm)

    Concave: knapp 1cm

    Wheelbase: 500mm

    Gewicht: Komplett 3,1kg (für's Deck only hab ich leider keine passende Waage, ist unter 2kg und über 222g...)

    Flex: Geht gegen Null bei 95-100kg

    Keine Wheelbites, bzw. nur, wenn ich mich auf die äußere Kante stelle, stark einlenke, dabei kräftig draufhüpfe und die gegenüberliegende Rolle abhebt.


    P.S.: Funktionstest des Flaschenöffners:
    [Aus Rücksicht auf die unter 16-jährigen und die Straight Edger habe ich zu Testzwecken eine Flasche Zitronenlimonade geöffnet (Bier war aus).]

    Kronkorken entfernt, Flasche hat überlebt, Mission erfolgreich abgeschlossen!
    (Einen kleinen Tick breiter könnte die Aussparung im Blech allerdings noch sein.)
    Dieser Beitrag endet hier.

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  • #2
    AW: [ Rookie ] Fat Shorty (low budget Öko-Erstbau)

    Krass, dass Du ein komplettes Board mit Dremel, Laubsäge und Raspel gabaut hast, nötigt mir einiges an Respekt ab.

    Geiler Shape übrigens.

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    • #3
      AW: [ Rookie ] Fat Shorty (low budget Öko-Erstbau)

      Zitat von RatRodStyle Beitrag anzeigen
      solange Arbeitszeit, Werkzeug/Verbrauchsmaterial, etc. nicht mit einberechnet wird)…
      Bei dem Verschleiß macht es das Werkzeug teuer würde ich fast sagen :>
      Ansonsten cooles Teil, kreative Presse!
      1 Johannes 4,10

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      • #4
        AW: [ Rookie ] Fat Shorty (low budget Öko-Erstbau)

        Sehr schön gemacht.
        Ich habe hier auch nur Zugang zu seiner sehr exklusiven Auswahl an nicht mehr ganz so frischen Billig-Werkzeugen.
        Der Mangel an Werkzeugen steigert definitiv die Kreativität. ;-)

        Du hast dir aber nicht aus der Bib das Biochemie Buch 2 mal ausgeliehen, nur zum Pressen des Boards?
        Auch sehr schön: Zeitung über dem Boden, aber das zu leimende Brett liegt genau auf den Büchern auf. :-D

        Ich finde dass ist ein sehr angenehmer Kontrast zu den ganzen Epoxy-Foamcore-Vacuum-Temperbox-HighTec-Brettern.
        Und zusammen mit Wintermutes Brett zeigst du, dass auch für normalgewichtige ausgewachsene Männer ein Selbstbau Board mit relativ einfachen Mitteln möglich ist.

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        • #5
          AW: [ Rookie ] Fat Shorty (low budget Öko-Erstbau)

          Wo ein Wille ist, ist auch ein Weg!!!
          Zuletzt geändert von RickDirt; 22.10.2011, 00:10.
          Ride First! Work Later!

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          • #6
            AW: [ Rookie ] Fat Shorty (low budget Öko-Erstbau)

            intellektuelle presse :up:
            facebook.de/schotterflechte

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            • #7
              AW: [ Rookie ] Fat Shorty (low budget Öko-Erstbau)

              geil diy!
              Ich komm nich klar - kommste mit?

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              • #8
                AW: [ Rookie ] Fat Shorty (low budget Öko-Erstbau)

                Zitat von inimicissimus peccati Beitrag anzeigen
                Bei dem Verschleiß macht es das Werkzeug teuer würde ich fast sagen :>
                Wie war das noch? Werkzeug wird ja nicht mit eingerechnet, oder?;o)

                Zitat von Spectre Beitrag anzeigen
                Du hast dir aber nicht aus der Bib das Biochemie Buch 2 mal ausgeliehen, nur zum Pressen des Boards?
                Nene, hab das Buch doppelt...hab's einmal günstig im Buchladen um die Ecke geschossen und kurze Zeit später nochmal geschenkt bekommen.:o)
                War aber am Überlegen, ob ich mir nicht nochmal 4 Exemplare aus der Bib dazuhole, um wirklich exakt die gleiche Höhe zu haben. Da hat dann aber doch die Faulheit gesiegt.;o)

                Zitat von Spectre Beitrag anzeigen
                Auch sehr schön: Zeitung über dem Boden, aber das zu leimende Brett liegt genau auf den Büchern auf. :-D
                Naja, eh das gute Linoleum vom Studentenwerk noch Schaden nimmt...:hoho:
                Dieser Beitrag endet hier.

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                • #9
                  AW: [ Rookie ] Fat Shorty (low budget Öko-Erstbau)

                  äußerst amüsant zu lesender baubericht! und definitiv nen haufen extrapunkte für kreativiät! ...die presse und der kaffe waren meine absoluten highlights.

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                  • #10
                    AW: [ Rookie ] Fat Shorty (low budget Öko-Erstbau)

                    Nach deiner Boardpresse zu urteilen ist Bio echt dein Thema. Das hätten aber locker auch Bücher über Design sein können, so Sahne wie dein Deck aussieht. Wunderschöne Arbeit.

                    LG Tilo

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                    • #11
                      AW: [ Rookie ] Fat Shorty (low budget Öko-Erstbau)

                      im Punkto Einfallsreichtum, Puristik , und Kreativität 10/10!! Ganz großes Respekt vor deiner Geduld!!!

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                      • #12
                        AW: [ Rookie ] Fat Shorty (low budget Öko-Erstbau)

                        Dicken Respekt für die Arbeit! Ich hätte nicht die Geduld gehabt, das ganze mit der Hand auszusägen :P
                        Today, a young man on acid realized that all matter is merely energy condensed to a slow vibration – that we are all one consciousness experiencing itself subjectively. There's no such thing as death, life is only a dream, and we're the imagination of ourselves. Here's Tom with the weather.

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